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Nur das Gefühl einer drohenden Begegnung nagte leise in ihrem Geist. Die Absätze der Schuhe klapperten melodisch auf dem Pflaster, hallten von den schrägen Mauern der Häuser wider, grüßten sie spöttisch als einzige Begleiter. Vor ihr lag ein schwarzes Loch - eine Pfütze? ein Kanal? der Buckel eines monströsen Wesens aus der Tiefe? Vorsichtig ging sie um den Fleck herum. Als sie genau auf seiner Höhe war, quoll etwas Heißes, Stickiges auf sie zu. Ein Wüstenwind brandete hoch und versengte ihre Seele. Sie wusste, die Hitze kam nicht von außen. Und sie wusste, etwas Schreckliches würde geschehen. Dann hörte sie die Schritte.

Die Schritte waren weich und katzenhaft verhalten. Jemand schlich hinter ihr her, zielbewusst und entschlossen wie ein Raubtier, das seine Beute erspäht hat und weiß, dass sie ihr nicht entkommt. In der Ferne ratterte ein Zug Über müde Geleise, in einem Haus vor ihr lachte jemand gequält.

Alicia ging gleichmäßig festen Schrittes weiter, aber sie musste sich ständig zusammenreißen. Nicht laufen, flüsterte sie, nicht umdrehen, nicht

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stehen bleiben. Weiter, immer weiter in die Schwärze der Nacht, die mit jedem Schritt dunkler und dichter wurde, sie aufsog und lähmte.Und dann war die Gasse zu Ende. Ein Eisentor,  girlandengeschmückt  und   efeuüber-
wuchert, starrte sie spöttisch an. Hinter dem Tor war eine Wand. Hätte sie das Tor öffnen können, es hätte ihr nichts genützt. Der Weg war zu Ende. Sie drehte sich langsam um und lehnte sich ans Tor, dessen kühle Eisenstäbe wie sanfte Finger in ihre Haut griffen. Eine Gestalt, dunkler als der Nachthimmel glitt langsam auf sie zu. Plötzlich brach Mondlicht durch die Wolken. Ein Silberstrahl übergoss das Wesen vor ihr, hob es düster heraus aus der Schwärze der Nacht.

Vor ihr stand ein Mann in dunklem Anzug, den Hut tief in die Stirn gezogen, das Kinn eingeklappt und die Hände in den Taschen des Jacketts vergraben. Die Augen waren unter der Hutkrempe kaum zu sehen. Ihr Blick schnitt tief in die Erinnerung. Da war etwas ...

Der Mann stand erstarrt wie eine Katze im Lichtkegel eines Autos, sprungbereit, doch in

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